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Ein Feld mit unterschiedlichen Getreidesorten

Versuchsfeld
Quelle: Budimir Jevtic - stock.adobe.com

Schutz durch Nutzung verbessern

Pflanzengenetische Ressourcen können auf vielfältige Weise genutzt werden. Die Spannbreite reicht vom Anbau alter Sorten und ihrer Vermarktung, über die Nutzung in Züchtungsprogrammen bis hin zu breit angelegten Screenings in der Grundlagenforschung und im Rahmen von Pre-Breeding. Nachhaltige Nutzung ist die Nutzung von Bestandteilen der biologischen Vielfalt in einer Weise und in einem Ausmaß, die nicht zum langfristigen Rückgang der biologischen Vielfalt führen, wodurch ihr Potential erhalten bleibt, die Bedürfnisse und Wünsche heutiger und künftiger Generationen zu erfüllen.  Nachhaltige Nutzungssysteme können außer der Erhaltung und der Nutzung der genetischen Ressourcen auch zur Verbesserung der Bereitstellung von ökologischen Dienstleistungen (z.B. Bestäubung) und der Vermeidung von negativen Effekten des Klimawandels dienen.

Die genetische Vielfalt der Kulturpflanzen – eine Quelle für Innovationen

Pflanzliche Erzeugung beginnt mit gesundem Saat- und Pflanzgut leistungsfähiger Sorten. Die Sortenzüchtung ist der Schlüssel für eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft. Mit der züchterischen Bearbeitung pflanzengenetischer Ressourcen werden Innovationspotenziale erschlossen. Neue Sorten mit Widerstandfähigkeit gegen biotische und abiotische Einflüsse tragen zur Umweltschonung und Leistungssteigerung bei. Die pflanzengenetischen Ressourcen, die die Grundlage für diese Innovationen bilden, stammen entweder aus Genbanken, anderen Sammlungen oder von Wildstandorten. Mitunter handelt es sich auch um aktuelles Sortenmaterial, das eine weitere züchterische Verbesserung erfährt.

Die Eigenschaften genetischer Ressourcen beschreiben und für Züchtung, Forschung und Ausbildung verfügbar machen

Viele Forschungsprojekte und Vorhaben haben zu einer Inwertsetzung der genetischen Vielfalt in Genbanken und anderen Forschungssammlungen beigetragen, in dem sie die Ressourcen mit Informationen über ihre Eigenschaften verbunden und so ihre Nutzung in Züchtungsprogrammen unterstützt haben. Die genetischen Ressourcen werden durch Untersuchung von Merkmalen der genetischen und phänotypischen Eigenschaften besser für Züchter nutzbar. Die Wahl der Kreuzungspartner und der Selektionsprozesse wird effizienter gestaltet. Die wichtigste Voraussetzung ist der Zugang zu Saatgut, der mit der Verfügbarkeit von Informationen über die Eigenschaften einhergehen muss. Hier leisten die öffentlich verfügbaren Daten und einzelne Sammlungen einen Beitrag zur Nutzung in Züchtung, Forschung und Ausbildung. Priorität soll die Verbesserung der Verfügbarkeit von Daten (Genotyp, Phänotyp) haben, die neben Ertragseigenschaften auch weitere Nutzungen unterstützen:

  • Einsparung von Pflanzenschutzmittel durch bessere Resistenzeigenschaften,
  • Verminderung des allergenen Potenzials und Gesundheitsaspekte (sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe),
  • Merkmale für die Klimawandelanpassung (Trockenresistenz),
  • Einsparung von Düngemittel durch Symbiosen von Pflanzen mit Mikroorganismen,
  • Pre-Breeding zur Erschließung von öffentlichen Gütern für die deutschen Züchter,
  • Weitere Vernetzung der in Deutschland verfügbaren Daten von PGR in Deutschland über das Nationale Inventar PGRDEU.

Die Sortenvielfalt im landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Anbau erhalten und züchterisch weiterentwickeln

Viele Kulturpflanzen werden bereits seit Jahrtausenden genutzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Durch die ständige Auslese der Individuen für die weitere Nutzung entstand eine regional angepasste große Vielfalt ausgewählter Landsorten. Im Zuge der Globalisierung der Märkte und der Konzentrationsprozesse in Land- und Ernährungswirtschaft sind auch in Deutschland zahlreiche Kulturpflanzenarten und -sorten aus dem großflächigen Anbau verschwunden. Deshalb gilt es die regionaltypische genetische Vielfalt der Kulturpflanzensorten zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Eine Möglichkeit zur Erweiterung der Vielfalt ist eine Durchkreuzung von Ausgangspopulationen und der Anbau der Nachkommen in Evolutionsramschen. Dadurch können neue Merkmalskombinationen auftreten, die anschließend selektiert und in neuen Sorten bereitgestellt werden.

Die Vielfalt aus vergangen Tagen durch Nutzung neu inwertsetzen

Neben der ehrenamtlichen Arbeit von Erhaltungsinitiativen können On-farm-Kompetenzzentren zu einer Bereitstellung und Verbreitung geeigneter alter Sorten beitragen und mögliche Vermarktungen unterstützen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Vielfaltsprodukte in Nischenmärkten für die Akteure am Markt eine ausreichende Wertschöpfung generieren können. Natürlich müssen auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen den Besonderheiten dieser Nischenprodukte Rechnung tragen. Ein gutes Beispiel ist die vor einigen Jahren erlassene Erhaltungssortenverordnung. Diese Aktivitäten werden durch Vernetzung und effiziente Förderinstrumente unterstützt.