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Access and Benefit Sharing

Digitale Sequenzinformationen

"Digitale Sequenzinformationen“ über genetische Ressourcen

Wie sich beispielsweise im Kampf gegen das neuartige Corona-Virus zeigte, können internationale Zusammenarbeit und ein zügiger Austausch von Informationen entscheidend sein. Nur durch die Herausgabe der genetischen Sequenzdaten zum Virus war es so schnell möglich, Diagnoseverfahren zu entwickeln.

Auch bei drängenden Problemen wie der Erhaltung biologischer Vielfalt und der Welternährungsicherung ist eine effektive internationale Zusammenarbeit bedeutend. Moderne Methoden in der Analyse der genetischen Zusammensetzung von Organismen, die hierfür aufgebaute Datenbank-Infrastruktur und Analysemöglichkeiten großer Datenmengen sowie der freie Zugang zu den bereits generierten Daten spielen hierfür bereits heute eine entscheidende Rolle.

Der völkerrechtliche Status von „digitalen Sequenz-Informationen“ („DSI“) über genetische Ressourcen ist jedoch umstritten. Es wird befürchtet, dass Regelungen zum Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen (ABS-Regelungen) durch freie Nutzung von veröffentlichten Sequenzdaten unterlaufen werden könnten. Hintergrund: Die ABS-Regelungen im Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) und im Nagoya-Protokoll beziehen sich auf genetische Ressourcen in Form von physischem Material. Neue Techniken machen es aber z.T. bereits möglich, neue Produkte rein auf der Grundlage von digitalen Informationen über die molekulare Zusammensetzung von genetischen Ressourcen zu entwickeln.

Daher beschlossen die CBD-Vertragsstaaten bei der UN-Biodiversitätskonferenz 2016 einen Prozess, der klarstellen sollte, ob, und wenn ja, wie die Nutzung digitaler Sequenzinformationen mit ABS in Zusammenhang steht. Da sich die Staatengemeinschaft bislang noch nicht auf eine Definition und ein klares Konzept für „Digital Sequence Information verständigen konnte, gilt der Begriff als Platzhalter.

Auch im Jahr 2018 konnten die CBD-Vertragsstaaten keine Einigung erzielen. Ob „DSI“ gleichbedeutend mit Genetischen Ressourcen zu betrachten sind, oder nicht, und ob die Nutzung von DSI zu Benefit-Sharing verpflichtet oder nicht, blieb strittig. Man einigte sich lediglich auf einen wissenschaftlich basierten Entscheidungsprozess, der bei der anstehenden Biodiversitätskonferenz im Oktober 2020 im Kontext der Verabschiedung eines neuen Globalen Rahmens für Biodiversität Post 2020 zu einem Ergebnis führen soll.
Nähere Informationen zu dem anstehenden Entscheidungsprozess unter der CBD finden sich unter https://www.cbd.int/dsi-gr/. Die vom CBD-Sekretariat in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studien zum Thema finden sich als Arbeitsdokumente der im März 2020 online durchgeführten Ad hoc Technical Working Group on DSI unter https://www.cbd.int/meetings/DSI-AHTEG-2020-01). Die Federführung bei den CBD-Verhandlungen liegt für Deutschland beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

 

Diskussionen zu „DSI“ über genetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft bei der FAO

Vom 18.-22.02.2019 fand die 17. Sitzung der FAO-Kommission für Genetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (CGRFA) statt. Auch hier wurde das Thema „DSI“ über genetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft kontrovers diskutiert.

Für die kommende Sitzung 2021 wurde eine weitere Befassung mit dem Thema beschlossen, allerdings nicht unter dem Tagesordnungspunkt ABS, sondern weiterhin als eigener Arbeitsstrang, der sehr breit die Innovationsmöglichkeiten, Herausforderungen und bestehenden oder fehlenden Kapazitäten weltweit bei der Generierung, dem Zugang zu und der Nutzbarkeit von „DSI“ in den Unter-Sektoren von Landwirtschaft und Ernährung beleuchten soll.

Die 8. Sitzung des Verwaltungsrats des Internationalen Saatgutvertrags tagte vom 11.-16. November 2019 in Rom.
Ein zentrales Thema dieser Sitzung war ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Verbesserung des Multilateralen Systems zum Zugang und gerechten Vorteilsausgleich bei pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (MLS). Auch die Frage des zukünftigen Umgangs mit „digitalen Sequenzinformationen“ über genetische Ressourcen wurde in diesem Kontext diskutiert. Eine Einigung konnte weder über das Maßnahmenpaket noch über die Fortsetzung der weiteren Arbeit an diesem Thema für die nächsten zwei Jahre erzielt werden.

Zu „DSI“ wurde beschlossen, dass die Entwicklungen, Studien und Ergebnisse zum Thema "Digitale Sequenzinformationen" im Bereich der CBD und der CGRFA vom Sekretariat weiterverfolgt werden sollen. Bei der kommenden Verwaltungsratssitzung im Herbst 2021 sollen die Auswirkungen der Generierung, des Austauschs und der Nutzung von aus MLS-Material generierten „digitalen Sequenzinformationen“ sowie die Ergebnisse der Diskus-sionsprozesse in anderen Foren Gegenstand der Beratungen sein.