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27.08.2019Gemeinsam gegen das Artensterben

In Bonn findet dieses Wochenende die Konferenz der Arten statt. Laien sind ausdrücklich und herzlich eingeladen, denn diesmal steht der Wissensschatz aller naturkundlich Interessierten im Vordergrund.

Bonn. Das Problem ist hinlänglich bekannt. Die Zahl der Tiere auf der Erde ist selbst für ausgewiesene Experten kaum überschaubar. Allein unter den Asseln gibt es 3500 verschiedene Arten – und wohl noch ein paar mehr, die Assel-Experten wie Wolfgang Wägele bislang übersehen haben. Schließlich sind allein Kellerasseln schon 50 Millionen Jahre auf ihren 14 Beinchen unterwegs – lange bevor an das Konzept eines Kellers überhaupt zu denken war. So haben sie viele ökologische Nischen gefunden, von feuchten Winkeln bis zu Süßwasserseen. Zum Glück für Insektenphobiker leben die größten Exemplare auf dem Grund des Atlantik und Pazifik. Diese Riesenasseln werden 50 Zentimeter groß.
Fachwissenschaftler haben erkannt, dass sie auf das Wissen und die Mithilfe von engagierten Bürgern nicht verzichten können, um Arten zu bestimmen und mit diesem Wissen auch besser zu schützen. Das Museum Koenig lädt deshalb ausdrücklich alle Interessierten für kommendes Wochenende zur zweiten Konferenz der Arten ins Maritim Hotel Bonn ein. Sie ist am Samstag und Sonntag, 31. August und 1. September, ist zugleich das Abschiedsgeschenk des scheidenden Direktors Wolfgang Wägele. Der sagt: „Experten, die seit vielen Jahren Biodiversitätsverluste beobachtet haben, haben bis vor wenigen Monaten in der Politik kein Gehör gefunden. Mit der Konferenz der Arten bringen wir aus ganz Deutschland  diese Experten zusammen, damit sie ihre Erfahrungen austauschen. Weiterhin beraten wir darüber, wie wir die nächste Generation von Artenkennern ausbilden können“.
Schließlich hat nicht nur der Artenschwund dramatische Ausmaße angenommen. Auch die Menschen mit ausgemachtem Expertenwissen werden rar. Nach der Auftakt-Konferenz 2016 sollen deshalb jetzt jene im Vordergrund stehen, die sich jenseits beruflicher Aufgaben mit Taxonomie, Bestandsaufnahmen, Dokumentation und Forschung zur Biodiversität in Deutschland und den Nachbarländern befassen. Rund 200 Vertreter von Vereinen, Naturschutzverbänden und Interessengemeinschaften sowie Studierende kommen mit Politikern, Wissenschaftlern und Mitarbeitern einschlägiger Behörden und Ministerien zusammen.
„Wir wollen nicht hinnehmen, dass neben dem Populationen- und Artenschwund, auch die Artenkenner aussterben“, heißt es dazu im Konferenz-Aufruf. Die Verbindung mit jüngeren Naturfreunden müsse ein deutliches Ziel sein, um die Faszination zur Natur zu fördern. Nach fachspezifischen Berichten zur Situation beispielsweise von Lauf- und Dungkäfern, Schnecken, Spinnen, Amphibien und Reptilien sowie den Vögeln stehen am zweiten Tag konkrete Fragestellungen zur Nutzbarmachung von Erkenntnissen und zur Förderung der Artenkenntnis in Gruppenarbeit auf dem Programm. Das Museum lässt dabei ausschließlich Bürger-Wissenschaftler zu Wort kommen, um ihre Arbeit angemessen zu würdigen.

Quelle: ZFMK (Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig)

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