Zugang und Vorteilsausgleich bei genetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (GREL) - Einführung

Internationaler Regelungsrahmen für Zugang und Vorteilsausgleich bei genetischen Ressourcen


Die biologische Vielfalt und somit auch die vom Menschen nutzbaren genetischen Ressourcen von Pflanzen, Tieren und anderen Lebewesen sind über Jahrtausende als das gemeinsame Erbe der Menschheit betrachtet worden. Sie wurden seit jeher weltweit ausgetauscht und bildeten eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung von Produkten für Ernährung und Landwirtschaft, aber auch in der Medizin, Kosmetik und anderen Branchen.

Seit Verabschiedung des UN-Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (engl. Convention on Biological Diversity, CBD) im Jahr 1992 wird international anerkannt, dass der Zugang zu genetischen Ressourcen dem souveränen Recht der Staaten unterliegt, aus deren Hoheitsgebiet die Ressourcen stammen. Das bedeutet, dass ein Staat darüber entscheiden kann, ob und zu welchen Bedingungen Zugang zu genetischen Ressourcen gewährt wird. Die Konvention legt fest, dass das Bereitstellerland den Zugang zu seinen genetischen Ressourcen von seinem vorherigen Einverständnis (Prior Informed Consent, PIC) abhängig machen kann. Der Zugang, sofern er gewährt wird, erfolgt zu  einvernehmlich mit dem Empfänger festgelegten Bedingungen (Mutually Agreed Terms, MAT). Die Ergebnisse der Forschung und die aus der Nutzung resultierenden Vorteile müssen dann entsprechend der festgelegten Bedingungen mit dem Bereitstellerland ausgewogen und gerecht geteilt werden (Benefit-Sharing, CBD, Artikel 15).

Während der Verhandlungen der CBD wurde bereits festgehalten, dass genetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft neben ihrem Beitrag zur biologische Vielfalt vor allem eine herausragende Bedeutung zur Sicherung der Welternährung haben. Um dieser besonderen Rolle gerecht zu werden und wegen des traditionell starken internationalen Austausches pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft wurde für diese bereits kurz nach Inkrafttreten der CBD mit der Entwicklung eines speziellen Abkommens begonnen.  Im Rahmen der UN-Sonderorganisation für Ernährung und Landwirtschaft (Food and Agriculture Organisation of the United Nations, FAO) wurde im Jahr 2001 der Internationale Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (International Treaty on Plant Genetic Resources for Food and Agriculture, ITPGRFA) verabschiedet, der 2004 in Kraft trat. Dieser Vertrag, auch als Internationaler Saatgutvertrag bezeichnet, regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft und den gerechten Vorteilsausgleich in einem besonderen multilateralen System (Art. 10 – Art. 13 für 64 weltweit wichtige Kultur- und Futterpflanzen.

In Umsetzung der CBD wurde 2010 das Nagoya-Protokoll als Zusatzprotokoll zur CBD beschlossen. Es konkretisiert das in der CBD  festgelegte Prinzip des Zugangs zu genetischen Ressourcen und der ausgewogenen und gerechten Aufteilung der sich aus ihrer Nutzung ergebenden Vorteile, nach dem englischen „Access and Benefit-Sharing“ kurz „ABS“ genannt, Es gibt hierfür einen rechtsverbindlichen Rahmen vor und bezieht nicht nur genetische Ressourcen sondern auch das zugehörige traditionelle Wissen mit ein.