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Internationale Zusammenarbeit

Kein Land der Welt ist bei der Sicherung und Nutzung der Pflanzenvielfalt autonom. Die internationale Zusammenarbeit auf europäischer und globaler Ebene ist daher unerlässlich, um die Kulturpflanzenvielfalt national und global zu sichern, nachhaltig zu nutzen, und dadurch zur Ernährungssicherheit und nachhaltigen Landwirtschaft beizutragen. 

Die internationale Zusammenarbeit erfolgt u. a. im Rahmen folgender Konventionen, Programme und Vereinbarungen:

  • Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD) 
  • Nachhaltige Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (SDGs)
  • Kommission für Genetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (CGRFA) der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)
  • Internationaler Saatgutvertrag (ITPGRFA)
  • Europäisches Kooperationsprogram für pflanzengenetische Ressourcen (ECPGR)
  • Richtlinien der Europäischen Union (EU)

 

Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD)

Das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity - CBD) schließt pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft sowohl in den Aichi Bioversity Targets als auch in der Globalen Strategie zur Erhaltung der Pflanzen (Global Strategy for Plant Conservation - GSPC) mit ein.

Der strategische Plan 2011-2020 der CBD enthält 20 konkrete, messbare und mit Indikatoren hinterlegte Ziele, die sogenannten Aichi Biodiversitätsziele. Kernziel 13 adressiert explizit Nutzpflanzen und ihre wilden Verwandten: "Bis 2020 ist die genetische Vielfalt der Nutzpflanzen und der landwirtschaftlichen Nutztiere und ihrer wilden Artverwandten, einschließlich anderer sozioökonomisch sowie kulturell wertvoller Arten, gesichert und sind Strategien zur größtmöglichen Begrenzung der genetischen Verarmung und zur Bewahrung der genetischen Vielfalt entwickelt und umgesetzt worden.“

Die Globale Strategie zur Erhaltung der Pflanzen GSPC hat zum Ziel, den rapide voranschreitenden Verlust der Pflanzenvielfalt zu stoppen. Ziel 9 konzentriert sich speziell auf Nutzpflanzen: "70% der genetischen Vielfalt der Kulturpflanzen und ihrer wilden Verwandten und anderer sozial und wirtschaftlich wichtiger Pflanzenarten sind erhalten, und die dazugehörigen indigenen und lokalen Kenntnisse sind respektiert und erhalten."

Mehr zur CBD im Kontext von genetischen Ressourcen hier.

Nachhaltige Entwicklungsziele (SDG)

Die Vereinten Nationen haben 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals - SDGs) in ihrer Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung formuliert. 

Pflanzengenetische Ressourcen werden in Ziel 2 "Hunger beenden" direkt adressiert. In Punkt 2.5 heißt es dazu: "Bis 2020 die genetische Vielfalt von Saatgut, Kulturpflanzen sowie Nutz- und Haustieren und ihren wildlebenden Artverwandten bewahren, unter anderem durch gut verwaltete und diversifizierte Saatgut- und Pflanzenbanken auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene, und den Zugang zu den Vorteilen aus der Nutzung der genetischen Ressourcen und des damit verbundenen traditionellen Wissens sowie die ausgewogene und gerechte Aufteilung dieser Vorteile fördern, wie auf internationaler Ebene vereinbart."

Kommission für Genetische Ressourcen (CGRFA) der Welternährungsorganisation (FAO)

Ein wichtiges Gremium für die internationale Zusammenarbeit bei der Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen ist die Kommission für genetische Ressourcen (Commission for Genetic Ressources for Food and Agriculture - CGRFA). Mitgliedstaaten der Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organisation - FAO) beraten und beschließen hier über alle Aspekte der genetischen Ressourcen.

Seit 1997 unterstützt die zwischenstaatliche technische Arbeitsgruppe für pflanzengenetische Ressourcen bei der CGRFA (Intergovernmental Technical Working Group on Plant Genetic Resources for Food and Agriculture ITWG – PGRFA) die internationale Zusammenarbeit für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung von pflanzengenetischen Ressourcen.

Die Weltzustandsberichte zu pflanzengenetischen Ressourcen (Reports on the State of the World's Plant Genetic Resources for Food and Agriculture - SoWPGR) sind das Instrument der Kommission, Fortschritte in ihrer Erhaltung und Nutzung zu prüfen. Daraus resultierende Handlungsbedarfe fließen in den globalen Aktionsplan für pflanzengenetische Ressourcen (Global Plan of Action for Plant Genetic Resources for Food and Agriculture - GPA) ein.

Ein zentraler Beschluss der CGRFA zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung sowie Vorteilsausgleich bei PGRFA war die Verabschiedung des Internationalen Saatgutvertrags.

Mehr über die CGRFA hier.

Internationaler Saatgutvertrag (ITPGRFA)

Der Internationale Saatgutvertrag (International Treaty on Plant Genetic Ressources for Food and Agriculture - ITPGRFA) ist ein wichtiges globales und völkerrechtlich bindendes Instrument. Er hat zum Ziel, die Erhaltung und nachhaltige Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen von Kultur- und Futterpflanzen zu fördern, und eine ausgewogene und gerechte Aufteilung der Vorteile zu erreichen, die sich aus ihrem Nutzen ergeben. Ein zentraler Bestandteil des Saatgutvertrages ist das multilaterale System (MLS), das den erleichterten Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen und die gerechte Aufteilung der aus deren Nutzung entstehenden Vorteile regelt. Es umfasst die in Anlage 1 des Vetrags gelisteten 35 Nahrungs- und 29 Futtermittelpflanzen. Deutschland ist seit 2004 Vertragspartei.

Mehr zum Saatgutvertrags hier.

Europäisches Kooperationsprogram für pflanzengenetische Ressourcen (ECPGR)

Wichtige Aktivitäten auf europäischer Ebene finden im Rahmen des Europäischen Kooperationsprogramms für pflanzengenetische Ressourcen (European Cooperative Programme for Plant Genetic Resources - ECPGR) statt. Das Programm beruht auf der Zusammenarbeit der meisten europäischen Staaten und hat zum Ziel, die langfristige Erhaltung und nachhaltige Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen in Europa zu sichern.

Mehr zu ECPGR hier.

Richtlinien der Europäischen Union (EU)

In der Europäischen Union (EU) gibt es Richtlinien und Strategien, die die Erhaltung und Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen betreffen, wie zum Beispiel die Europäische Biodiversitätsstrategie oder die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). So beinhaltet die Biodiversitätsstrategie in Ziel 3 „Erreichung einer nachhaltigeren Land- und Forstwirtschaft“ die Aktion 10, die die genetische Vielfalt in der Europäischen Landwirtschaft erhalten und unterstützen soll.