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Anhang 1 - Kriterien, Indikatoren und Verifikatoren für ein genetisches Monitoring in Wäldern

Oberstes Ziel des Managements von Waldökosystemen ist ihre Erhaltung und die nachhaltige Sicherung ihrer Funktionen. Diesem Ziel dienen die Erhaltung der genetischen Vielfalt und der Schutz der genetischen Systeme der Arten. Unter dem genetischen System sind diejenigen Mechanismen zu verstehen, welche der Erzeugung, Bewahrung und Modifikation genetischer Variation sowie ihrer Weitergabe an die nächste Generation dienen. Waldökosysteme sind so zu bewirtschaften, dass durch den Schutz des genetischen Systems der Arten die genetische Vielfalt erhalten bleibt.

Genetisches Monitoring erfasst den Zustand des genetischen Systems anhand von Kriterien, Indikatoren und Verifikatoren mit dem Ziel, Entwicklungen zu verfolgen, Einflussfaktoren abzuschätzen, Leitbilder zu formulieren und die Planung von Maßnahmen sowie eine Erfolgskontrolle zu ermöglichen.
Die Intaktheit des genetischen Systems und die Verfügbarkeit genetischer Variation sind eine Voraussetzung für Nachhaltigkeit. Es gilt also, Kriterien, Indikatoren und Verifikatoren für die Intaktheit des genetischen Systems festzulegen

  • Kriterien sind dabei wesentliche Kennzeichen des Systems,
  • Verifikatoren dienen der Nachprüfbarkeit der getroffenen Feststellungen über das genetische System.

Die Intaktheit bzw. Funktionsfähigkeit des genetischen Systems einer Art wird durch die populationsgenetischen Prozesse Drift, Selektion, Paarungssystem und Migration gekennzeichnet. Die Aufrechterhaltung dieser Prozesse stellt somit jeweils das Kriterium für die Erhaltung genetischer Variation dar. Als Indikatoren für populationsgenetische Prozesse haben Namkoong et al. (1996) vorgeschlagen (vgl. hierzu Tabelle 1.1 "Indikatoren für unbeeinflusste genetische Prozesse"):

  •   Änderungen im Paarungssystem und
  •   Änderungen in der Migration der Gene.


Ein Minuszeichen (-) in der Tabelle 1.1 zeigt jeweils an, wann keine Beeinflussung der betreffenden genetischen Prozesse indiziert ist.

Das genetische Monitoring zielt auf die Erfassung des Zustandes und durch Wiederholung dieser Erfassung auf die Dynamik der Prozesse des genetischen Systems anhand der genannten Indikatoren ab. Erfasst werden hierbei die gängigen populationsgenetischen Daten und die hieraus abgeleiteten Parameter. Diese stellen die Verifikatoren der genannten Indikatoren dar. In Tabelle 1.2 "Stichwörter zu den Verifikatoren der Indikatoren genetischer Prozesse" sind Stichwörter zu den von Namkoong et al. (1996) vorgeschlagenen Verifikatoren für die jeweiligen Indikatoren zusammengestellt.

Tabelle 1.1 Indikatoren für unbeeinflusste genetische Prozesse


Prozesse
Indikatoren



Niveau
genetischer
Variation
erhalten
keine gerichtete Änderung
der Gen- bzw.
Genotypfrequenzen
keine Änderungen
im Paarungssystem
keine Änderungen
in der Migration der Gene
genetische Drift

-

direkte Selektion

-

-

 

 

indirekte Selektion

-

-

 

 

Paarungssystem

 

 

-

 

Genfluss

 

 

-

-

Tabelle 1.2 Stichwörter zu den Verifikatoren der Indikatoren genetischer Prozesse


Indikatoren
Verfikatoren


                       

                                                                                                   
1
2
3
4
5
Level genetischer
Variation
genetische
Diversität,
Prozent
polymorpher Loci
effektive Anzahl
an Allelen
genetische Variation
adaptiv bedeutsamer Merkmale
Fixierungs-
indices
Anzahl potentieller Eltern-
bäume
gerichtete Änderungen
der Gen- bzw.
Genotyp-frequenzen
Unterschiede in den Genotyp-frequenzen verschiede-
ner Kohorten
Unterschiede in den Phänotyp-
frequenzen verschie-
dener Kohorten
Unterschiede in den
Alters
klassen-Verteilung

--

--

Paarungssystem

Selbstbe-
fruchtungs-
rate

SexualsystemAbundanz
der Bestäuber
Pool der potenziellen Eltern

Hohlkorn-anteil und Keim-prozent  

MigrationAusmaß der genetischen Differenzierung zwischen PopulationenPollen-verbreitungSamen-verbreitung

Isolation durch Barrierenräumliche Aggregation unterschied-licher  Paarungstypen

Für die konkrete Umsetzung des genetischen Monitoring-Konzepts wird es notwendig sein, die genannten Verifikatoren zu operationalisieren. Dabei sollte die Anbindung an Monitoring-Konzepte anderer Organisationsebenen von Ökosystemen angestrebt werden.

Literatur

Namkoong, G., Boyle, T., Gregorius, H.-R., Joly, H., Savolainen, O., Wickneswari, R. & Young A. (1996): Testing criteria and indicators for assessing the sustainability of forest management: Genetic criteria and indicators. Center for International Forestry Research (CIFOR) Working Paper No. 10, Bogor, Indonesia, 12 pages.

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Kontakt

+49 (0)228 6845-3385

Dr. Michaela Haverkamp

Bundesanstalt für Landwirtschaft
und Ernährung
Referat 331
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn

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