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Access and Benefit Sharing

10 Jahre Nagoya-Protokoll

Das Nagoya-Protokoll wird 10 Jahre alt

Das Abkommen sollte Biopiraterie verhindern und für eine gerechte Verteilung der Gewinne sorgen, die aus der Nutzung genetischer Ressourcen entstehen. Nach 10 Jahren ist es an der Zeit Bilanz zu ziehen.

Anläßlich des 10 jährigen Bestehens finden verschiedene Geburtstagsveranstaltungen statt, unter anderem eine Webinar-Reihe Ende Oktober/Anfang November 2020, die in Zusammenarbeit mit dem CBD-Sekretariat vom UNDP-GEF Global Access and Benefit-sharing (ABS) Projekt ausgerichtet wird (siehe Global ABS Conference 2020).

Lange hatten die Vertragsstaaten des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD) um ein internationales Regelwerk gerungen: Es soll dafür sorgen, dass jedes Land souverän darüber bestimmen kann, ob und zu welchen Bedingungen Pflanzen, Tiere oder andere Lebewesen aus seinem Hoheitsgebiet entnommen und erforscht werden dürfen. Zudem soll es dazu führen, dass Nutzer mit dem Herkunftsland vertraglich regeln, wie die Gewinne, die durch Erforschung und Produktentwicklung aus den jeweiligen genetischen Ressourcen erzielt werden, aufzuteilen sind. Vor 10 Jahren wurde im japanischen Nagoya das Zusatzprotokoll zur CBD verabschiedet, das einen verbindlichen Rechtsrahmen für Zugang zu genetischen Ressourcen und Vorteilsausgleich (Access and Benefit-Sharing, ABS) vorgibt (siehe Nagoya-Protokoll).

Die Erwartungen an das Protokoll waren insbesondere in biodiversitätsreichen Entwicklungsländern hoch. Hoffnung auf „Grünes Gold“ wurde geschürt, ebenso wie die Hoffnung, dass sich durch die Vorgaben des Nagoya-Protokolls die Nutzungskette von der genetischen Ressource zum marktreifen Produkt nachvollziehen und kontrollieren ließe.
Das Nagoya-Protokoll war Teil der für die vergangene Dekade formulierten Biodiversitätsziele für das Jahr 2020 (auch Aichi Targets genannt), die den Rahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt aufspannten. Die Bilanz nach 10 Jahren fällt überwiegend kritisch aus: weder konnte der Verlust biologischer Vielfalt weltweit gestoppt werden noch sind nennenswerte Geldbeträge auf der Grundlage des Nagoya-Protokolls in Entwicklungsländer geflossen.

Der kommende UN-Biodiversitätsgipfel, der COVID 19-bedingt ins Jahr 2021 verschoben wurde, soll daher einen neuen, ambitionierteren globalen Rahmen für die Biologische Vielfalt nach 2020 (post2020 Global Biodiversity Framework) verabschieden. Daher widmen sich derzeit viele Studien, Forschungsprojekte und Diskussionsforen weltweit der Frage, wie das angedachte Benefit-Sharing aus der Nutzung genetischer Ressourcen besser erreicht werden kann, anderseits der Zugang und die Nutzung der biologischen Vielfalt in dringend benötigter Forschung und Züchtung nicht durch die Regelungen behindert werden.

Ist das Nagoya-Protokoll noch zeitgemäß?

Zum 10-jährigen Bestehen des Nagoya-Protokolls wird daher kritisch hinterfragt, ob das Nagoya-Protokoll einem Reality-Check noch standhält. Gelingt es tatsächlich, dass ein Land durch ABS-Gesetze den Weg von der speziellen Pflanze oder dem Tier, das in seinem Hoheitsgebiet vorkommt, zum kommerziellen Produkt nachverfolgen und für jedes Produkt den Gewinnanteil einfordern kann? Jedes Land erlässt seine eigenen Vorschriften und richtet zuständige Behörden ein, die mit enorm hohem bürokratischen Aufwand versuchen, die Kontrolle über die Wertschöpfungskette zu behalten, die in Wirklichkeit keine Kette, sondern ein reich verzweigtes Netz ist.

Der biotechnologische Fortschritt der letzten 20 Jahre hat viele neue Chancen für Innovation und internationale Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung genetischer Ressourcen geschaffen. Gleichzeitig stellt der Fortschritt den Kontrollanspruch über genetische Ressourcen vor noch größere Herausforderungen: Eine große Fülle an online verfügbaren Daten über Gensequenzen („digital sequence information“, DSI) macht es möglich, riesige Datenmengen unzähliger genetischer Ressourcen weltweit zu vergleichen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Das macht die Zuordnung von Produkten zu einzelnen Ressourcen fast unmöglich. Die Entwicklung von Produkten ist zunehmend auch ohne Zugang zu physischen Ressourcen möglich. So steht bei den UN-Verhandlungen über genetische Ressourcen einerseits die Forderung nach einem Regelungsinstrument für DSI im Raum. Andererseits ist der offene Zugang zu DSI für wissenschaftlichen Fortschritt und internationale Zusammenarbeit angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen unabdingbar.

Zu den aktuellen Diskussionen rund um das Thema DSI siehe Digitale Sequenzinformationen.